Faszien als Auslöser von Schmerzen – ein Blick hinter die Kulissen

Faszien als Auslöser von Schmerzen – ein Blick hinter die Kulissen

Steifer Nacken, Kopfschmerz, Hexenschuss – diese Beschwerden sind vielen von uns nur allzu vertraut. Die Ursachen scheinen oft offensichtlich. Doch könnte es sein, dass sich dahinter mehr verbirgt?

Faszienrolle oder Faszienstab? So triffst du die richtige Wahl Du liest Faszien als Auslöser von Schmerzen – ein Blick hinter die Kulissen ca. 8 Minuten Weiter Faszientraining: Die Geheimwaffe gegen Cellulite?

Wer kennt sie nicht – die plötzlichen Rückenschmerzen, die Verspannungen im Nacken – und das unangenehme Gefühl, dass da mehr als nur ein paar verrostete Scharniere im Spiel sind.
Die Ursachen sind oft greifbar: eine unbequeme Schlafposition, stundenlanges Sitzen im Büro, die eisige Klimaanlage oder der alltägliche Stress. Aber hast du je darüber nachgedacht, dass die Ursache deiner Beschwerden tiefer liegen könnte? Trommelwirbel für die Hauptdarsteller dieses Artikels – die Faszien. Dieses oft übersehene Bindegewebe könnte der Schlüssel zu vielen unserer körperlichen Beschwerden sein.

Doch was sind Faszien eigentlich? Warum können sie Schmerzen verursachen? Und was noch wichtiger ist: Was kannst du dagegen tun? In diesem Artikel verschaffen wir dir einen Überblick.

Wir sind uns bewusst, dass das Thema „Schmerz“ ein äußerst sensibles Thema ist. In vielen Situationen entstehen Schmerzen durch mehrere Faktoren. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Rolle der Faszien bei der Entstehung von Schmerzen.

Wichtig ist jedoch, zwischen Ursache und Symptomatik zu unterscheiden, um den zugrunde liegenden Problemen auf die Spur zu gehen und diese effektiv zu behandeln. Außerdem solltest du nicht nur einen einzelnen Faktor als Ursache oder Lösung für alle Probleme betrachten, sondern eine ganzheitliche Betrachtung anstreben. 

 

Visualisierung zeigt Lokalisation des Triggerpunkts und den dazugehörigen Schmerzbereich mit Ausstrahlungsschmerz

Die Grundlagen – Was du über Faszien wissen solltest

1. Die Grundlagen: Was sind eigentlich Faszien?

Stell dir vor, deine Knochen, Nerven, Muskeln und Organe sind von einem eng anliegenden, elastischen Ganzkörperoverall umhüllt. Dieses mysteriöse Bindegewebe nennt sich Faszien und schützt deinen Körper vor Schäden und sorgt gleichzeitig für Beweglichkeit und Stabilität.

Ein faszinierendes Thema, diese Faszien. Selbst in der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, was sie eigentlich genau sind. In unserem Artikel: „Was sind eigentlich Faszien: Ein Überblick, einfach erklärt“ gehen wir genauer darauf ein. Eines ist jedoch sicher. Faszien sind eine spezielle Struktur unseres Bindegewebes.

Und da sie ja deinen ganzen Körper durchziehen, kannst du dir vielleicht schon vorstellen, warum sie für Schmerzen verantwortlich sein können.

2. Faszien & Schmerzen: Die Rolle der Faszien bei der Schmerzwahrnehmung

Schmerzen sind sozusagen der Hilferuf unseres Körpers. Eine Art SOS-Taste, die unsere Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) bei Reizen wie Hitze, Kälte, Druck oder chemische Substanzen aktivieren. Sind diese Reize zu stark, senden die Rezeptoren ein Signal an unser Gehirn, das wir dann als Schmerz wahrnehmen. Und hier kommen auch die Faszien ins Spiel. Ausgestattet mit zahlreichen dieser Nozizeptoren, können sie bei Überlastung oder Verletzungen für viele Beschwerden mitverantwortlich sein. 

3. Die wissenschaftliche Perspektive: Faszien und ihre Bedeutung für Schmerzmechanismen

Wissenschaftlich betrachtet sind die Zusammenhänge zwischen Faszien und Schmerzen noch weitgehend unerforscht. Dennoch sind sich die meisten Sportmediziner und Therapeuten einig: Faszien könnten die heimlichen Regisseure von Schmerzen in deinem Körper sein. Besonders im Bereich der Muskelfaszien (Myofaszien), scheinen sie hier oft eine Hauptrolle einzunehmen.

Aktuell wird angenommen, dass bei einem Großteil der Rückenschmerzen auch myofasziale Ursachen vorliegen. Aber auch Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, Schulterschmerzen oder Schmerzen in den Beinen können ihre Ursache in Faszien oder muskulären Triggerpunkten haben.

Besonders tückisch: Fasziale Schmerzen treten oft nicht dort auf, wo die eigentliche Ursache liegt. Dieses Phänomen wird „referred pain“ oder „übertragener Schmerz“ genannt. So kann unter anderem eine Verhärtung der Faszien in deinen Beinen zu Rückenschmerz führen. Warum das so ist? Weil das Fasziennetzwerk im ganzen Körper verbunden ist.

„Stell dir vor, dein Körper ist wie eine Filmproduktion. Jede Szene (oder jede Spannung in deinem Körper) muss perfekt mit den anderen abgestimmt sein, um eine harmonische Handlung (oder eine gesunde und schmerzfreie Körperhaltung) zu schaffen. Wenn nur eine Szene aus dem Drehbuch gerät, wirkt sich das auf den gesamten Film aus."

Was sagt die Wissenschaft?

Es gibt noch keine standardisierten Kriterien für die Diagnose von Faszienschmerzen. Das Dilemma? Häufig überlappen sie sich mit anderen chronischen Schmerzzuständen. Dennoch zeigen verschiedene Studien eine positive Wirkung bei der Behandlung von myofaszialen Schmerzen – vor allem sogenannte „self-myofascial release“ Übungen, wie das Faszientraining, versprechen nachhaltige Linderung. Das Ziel: die Durchblutung verbessern, Verspannungen lösen und die Flexibilität der Faszien erhöhen.

Auch Massagen, Wärme- oder Kälteanwendungen, Ultraschall, Taping, Elektrotherapie oder Akupunktur kommen häufig zum Einsatz. Je nach deinem Beschwerdebild können sich unterschiedliche Anwendungen in Kombination mit Bewegung, Stärkung der Muskulatur, Anpassungen der Ernährung oder Veränderungen des Lebensstils nachhaltig auf dein Wohlbefinden auswirken.

Faszinierende Lösungen

Wenn du bis hierher gelesen hast, fühlst du dich vermutlich angesprochen. Dann kommen wir nun zum wichtigsten Teil. Was kannst du dagegen tun?

Frau die ein Glas Wasser trinkt

Punkt 1: Ernährung

Es ist kein großes Geheimnis: Deine Ernährung hat großen Einfluss auf dein Wohlbefinden. Zu viel Zucker oder Alkohol beispielsweise können im Körper zu Entzündungen führen, die auch deine Faszien schädigen können. Zu wenig Trinken wirkt sich ebenfalls negativ auf den Körper aus, da dehydrierte Gewebe dazu neigen „steifer“ zu werden. Eine ausgewogene Ernährung dient also auch deinen Faszien, um gesund und geschmeidig zu bleiben. 

Punkt 2: Bewegung

Faszien sind die unsichtbaren Helden deines Körpers: reißfest und flexibel. Diese Eigenschaften bleiben aber nur erhalten, wenn du aktiv bist. Warum das so ist? Es liegt an den Fibroblasten. Den was? Fibroblasten sind Zellen, die für den Umbau von Kollagenfasern verantwortlich sind und das Fasziennetz kontinuierlich anpassen. Wie kleine Spinnen, die ständig an ihrem Netz arbeiten. Sie reagieren auf mechanische Reize, wie beispielsweise Bewegung. Durch die eintreffenden Zug- und Druckkräfte, die bei Bewegung entstehen, können sie die Kollagenfasern richtig strukturieren und ausrichten.

Punkt 3: Erholung

Erhol dich. Bist du ständig in einer Überbelastung und gönnst deinem Körper keine Pause, kann das negative Auswirkungen auf deinen Körper haben. Nach starker Belastung brauchen deine Bindegewebsstrukturen Zeit zur Regeneration, um ihre optimale Struktur und Funktion beizubehalten. Insbesondere die Fibroblasten haben hier die Möglichkeit, eventuelle Mikroverletzungen zu reparieren und neu zu formen. Ruhepausen, regenerative Maßnahmen und ausreichend Schlaf sind also ebenfalls ausschlaggebend, um eine optimale Leistungsfähigkeit deines Körpers zu gewährleisten! 

Punkt 4: Faszientraining

Gezieltes Faszientraining kann deinen Körper also unterstützen, die Durchblutung anzuregen, deine Beweglichkeit zu verbessern, Verspannungen zu lösen und Schmerzen zu lindern. Einfache Maßnahmen wie Dehnübungen, dynamische Bewegungen oder die Anwendung spezieller Techniken, wie beispielsweise die Rollmassage, lassen sich unkompliziert selbst durchführen. Praktische Hilfsmittel wie der Faszienstab oder die Faszienbälle können dabei ausgezeichnete Werkzeuge sein, um gezielt bestimmte Bereiche deines Körpers zu behandeln. 

Wichtig: Bedenke, dass jeder Körper einzigartig ist. Was dem einen hilft, muss nicht unbedingt auch dem anderen helfen. Höre auf deinen Körper und finde heraus, was dir guttut. 

4 Tipps für dein Faszientraining

1. Regelmäßigkeit

Bevor du einmal im Monat für zwei Stunden rollst, nimm dir lieber zwei bis drei Mal pro Woche zehn Minuten Zeit für deine Faszienroutine.

2. Technik

Beachte beim Training, dass du nur über weiches Gewebe, also Muskeln und Faszien rollst und deine Knochen und Gelenke aussparst. Außerdem empfehlen wir die Rollrichtung Richtung Herz!

3. Intensität

Passe deinen Druck an! Jeder Körper ist unterschiedlich und reagiert anders, Faszientraining soll dich aber auf keinen Fall zu Tränen rühren. Auf einer Schmerzskala von 1 bis 10 solltest du dich irgendwo im „Wohlfühlschmerzbereich“ zwischen 5 und 7 befinden.

4. Abwechslung

Durch verschiedene Tools und Techniken kannst du dein Training noch abwechslungsreicher und effektiver gestalten. Während sich der Faszienstab vor allem für größere Bereiche eignet, kannst du die Faszienbälle für punktuelle Behandlungen verwenden.

Wenn du dir noch nicht sicher bist, welches Faszientool für dich das Richtige ist, kannst du in unserem Artikel "Faszienrolle oder Faszienstab" mehr darüber erfahren.

Frau macht Faszientraining und rollt dazu auf TennisballWas du außerdem beachten solltest

Berücksichtige Erkrankungen

Wie bereits im Einleitungstext erwähnt, können unterschiedliche Faktoren zu Schmerzen führen. Zudem gibt es auch ein paar Kontraindikationen für Faszientraining - dazu haben wir bereits einen weiteren Artikel "Wann du kein Faszientraining machen solltest" veröffentlicht. Solltest du also unter akut auftretenden Schmerzen leiden oder aus anderen Gründen unsicher sein, empfehlen wir dir, mit deinem Arzt oder deinem Therapeuten Rücksprache zu halten und dein Training dementsprechend anzupassen. 

Schlusswort

Auch wenn es bislang noch keine endgültigen Studienergebnisse gibt, deutet vieles darauf hin, dass Faszien eine bedeutende Rolle bei Schmerzen spielen können. Die gute Nachricht ist, dass du mit unkomplizierten Maßnahmen selbst deinen Körper dabei unterstützen kannst, deine Faszien gesund und geschmeidig zu halten und gleichzeitig deine allgemeine Gesundheit und dein Wohlbefinden steigern kannst. Eine Win-Win-Situation!

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